Helferinnen & Corona

Auf dieser Seite erscheinen in den nächsten Wochen Beiträge von Helferinnen, die erzählen, wie sie die Zeit der Corona-Pandemie erlebt haben und erleben.

 

Beitragsverzeichnis

Sr. Katharina Fuchs sa: Der Lockdown – eine Zeit zum Auf-Merken
Sr. Margó Hadnagy sa: Vertrauen, dass das Leben stärker ist als der Tod
Sr. Rita Kedves sa: Gottes Gegenwart
Sr. Miriam Hörlesberger sa: … und mich schauerte
Sr. Bernadette Krogger sa: Liturgie neu entdeckt
Sr. Regina Mair sa: Happy Birthday to you
Sr. Czakó Ágnes sa: Von Stoff zu Schutz
Sr. Elke Freitag sa: Berührung mit der Einsamkeit
Sr. Elisabeth Muche sa: Unverfügbar

 

Der Lockdown – eine Zeit um Auf-Merken

Sr. Katharina Fuchs sa arbeitet in Salzburg in der Studierendenseelsorge. Der Lockdown – ein Lehrmeister, eine Zeit zum Auf-Merken für sie:

In der Zeit des Lockdown…
…habe ich gemerkt, wie sehr ich gewohnt bin, alltägliche Spannungen durch vielfältige Kontakte mit verschiedenen Menschen auszugleichen. Als das nun nicht ging, blieb ich mit den Spannungen allein – oder meine Gemeinschaft bekam sie zu spüren. Im Nachhinein bin ich dankbarer für die Kontakte, die mir so gefehlt haben, und ich versuche, achtsamer mit den Spannungen umzugehen.
…sind online-Angebote bei jungen Erwachsenen gut angekommen – Gebetswochen, Begleitgespräche, Bibelteilen und Magistreffen per Zoom. Ein Aha-Erlebnis: auf virtuellen Wegen lässt sich wirklich eine Beziehung, ja eine Gemeinschaft aufbauen! Ich staune und danke.
…habe ich stärker die Verantwortung gespürt, mich über die weltweite Situation zu informieren. Kann ich aus den Tiefen des Fegefeuers meiner persönlichen Spannungen (siehe oben) überhaupt über meine Grenzen hinaus sehen – geschweige denn an die Grenzen der Erde, die ich so gerne auf dem Papier der Konstitutionen lese?
… habe ich stark empfunden, wie privilegiert ich – die ich Armut gelobt habe – lebe: ich kann mir die Hände mit so viel Wasser waschen, wie ich will. Der Internetanschluss funktioniert. Es gibt weiterhin mehr Lebensmittel, als wir unbedingt brauchen. Nicht einmal um meine Arbeitsstelle muss ich fürchten!

Ich habe mich besonders über jeden Austausch gefreut, in dem andere ähnliches mitgeteilt haben, und über die virtuelle Gebetsgemeinschaft, in der junge Erwachsene einander mit ganz konkreten Anliegen getragen haben. Die Erfahrungen aus dieser besonderen Zeit möchte ich mir gut merken.

Sr. Katharina Fuchs sa

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Vertrauen, dass das Leben stärker ist als der Tod

Sr. Margó Hadnagy sa ist im zweiten Jahr Schwester mit zeitlichen Gelübden. Sie lebt in Siebenbürgen in der Gemeinschaft von Tirgu Mures und ist Kinderärztin in Ausbildung.

Ich bin Assistenzärztin in der Pädiatrie. Während der Hauptphase von Covid-19 arbeitete ich in der Neugeborenenklinik. Ich hatte keinen Kontakt zu positiv getesteten Personen (außer zu Beginn). So erzähle ich hier nicht so sehr von meinen Erfahrungen mit Covid-19, vielmehr von dem, was ich im Hintergrund erlebe.

Letzten Montagnachmittag besuchte ich eine meiner kleinen Patientinnen, die an einem sehr aggressiven Krebs erkrankt ist und sich schon im Endstadium ihres Lebens befindet. Sie war zu Hause, aß fast nichts, atmete kaum. Ich musste sie besuchen, ich spürte einen inneren Ruf, die Beziehung zu würdigen, die wir letztes Jahr während ihrer langen Spitalsaufenthalte aufgebaut hatten. Sie war, sie ist immer noch eine Kämpferin und eine Künstlerin, eine starke kleine Frau. Als ich in ihr Zimmer eintrat, erkannte sie mich, ich konnte das Feuer in ihren Augen sehen. Ich sprach mit ihrer Mutter und war einfach da, ohne die Notwendigkeit, etwas sagen zu müssen. Ich konnte die leichte Brise des Lebens, das dem Tod ganz nahe ist, spüren.

Dann hatte ich in derselben Woche meine lange 24-Stunden-Schicht in der Neugeborenenklinik (als Assistenzärztin muss ich bei Geburten dabei sein). Ich bin immer erschrocken, wenn neues Leben darum kämpft, auf die Welt zu kommen. An diesem Nachmittag kam während meiner Schicht ein Baby zur Welt, das zunächst nicht atmete (was nicht unüblich ist). Auch wenn nachher alles in Ordnung war und es dem Baby gut ging, brauchte ich einen Moment Stille.

In diesen Tagen also, in denen ich mit Angst und Furcht kämpfte, musste ich ziemlich oft den Herrn des Lebens konfrontieren. Und langsam begann ich darüber zu staunen, dass vielleicht manchmal der Weg zum Leben durch Dunkelheit, durch Leid und Tod führt. Und wenn ich gewillt bin, diesen Weg zu gehen, muss ich in das Feuer der Liebe hineintreten, sonst werde ich von der Dunkelheit verbraucht. So tanze ich in diesem Feuer für mich und für jene, die mein Vertrauen, dass das Leben stärker ist als der Tod, brauchen. Vielleicht haben wir es alle nötig, unser Vertrauen neu aufzubauen, denn die wesentliche Bestimmung von Covid-19 ist, dass wir einander gegenseitig vertrauen.

Sr. Margó Hadnagy sa

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Gottes Gegenwart

Sr. Rita Kedves sa lebt in der Gemeinschaft Gheorgheni-Domokos in Rumänien. Corona hat erst ihren Alltag verändert, ihr Arbeits- und Gemeinschaftsleben. Dann wurde sie selbst Betroffene – und selbst verändert.

Rumänien wurde auch von der Pandemie getroffen: Ausgehverbot, sich langsam verändernden Vorschriften und Gesetze haben mein persönliches und fachliches Leben und unser Gemeinschaftsleben sehr verändert. Mein Alltagsleben wurde viel regelmäßiger: Gebetsleben, Esszeiten, Bewegung, einige Arbeiten im Haus und Garten, die bis jetzt verschoben wurden – all das war jetzt möglich. Ich habe versucht mich anzupassen, mich auf jede Lockerung gefreut, und versucht, vorsichtig zu sein.

Als ich dachte, dass die Gefahr schon vorbei ist – dann, ganz unerwartet hat es mich persönlich getroffen….
Meine 31-jährige Nichte und ihre 8-jährige Tochter wurden am 9. Juni mit Covid 19 diagnostiziert, und sie wurden ins Krankenhaus gebracht. Drei Tage vorher war ich mit meiner Familie zusammen und gleich danach hatten wir Gemeinschaftsprogramm in Domokos … . Meine Familienmitglieder kamen zu Hause in die Quarantäne, und ich habe freiwillig mitgemacht – zu Hause, in der Gemeinschaft von Gheorgheni. Nun, unter diesen Umständen mussten wir ganz neue Regeln einführen, damit die mögliche Ansteckungsgefahr minimalisiert wird.

Dank sei Gott, meine Nichte und ihre Tochter haben die Krankheit relativ gut überstanden, und wurden aus dem Krankenhaus gesund entlassen. In der Quarantäne-Zeit wurde niemand weder in der Familie noch in der Gemeinschaft krank (oder sie haben die Krankheit ohne Symptome ertragen).

Diese zwei Wochen waren besonders intensiv für mich. Ich war überrascht, was es in mir und in meiner Umgebung auslöst, wenn die Krankheit und die mögliche Ansteckungsgefahr so nahe ist. Ich habe starke Angst und Unsicherheit erlebt. Ich hatte Angst, dass ich ohne es zu wollen, anderen (z.B. meine Mitschwestern) angesteckt habe … . Es war nicht leicht zu akzeptieren, dass ich “bedrohlich” bin, ein Mensch, dem man nicht begegnen darf. Es war nicht einfach, dass jede Bewegung im Haus ganz bewusst sein muss … .

Die Übung von der “Gegenwart” hat mir geholfen: Ich konnte erfahren, dass Gott mich mit meiner Zerbrechlichkeit, Unsicherheit und Angst akzeptiert, und in Seiner Liebenden Gegenwart konnte ich auch die Zerbrechlichkeit und Grenzen meiner Beziehungen anschauen. Die Unberechenbarkeit und Unsicherheit der Welt ist eine immer realere Wirklichkeit für mich geworden, als auch die liebende, haltende und Veränderung bringende Gegenwart Gottes.

“Was dich betrifft, verändert dich.
Du wirst betroffen, wenn du etwas dir nahe kommen lässt. Dich kann ein Wort treffen, eine Berührung, etwas, das dich überrascht. Du wirst betroffen sein.
Es weckt dich. Was bis jetzt gleichgültig war, jetzt wird es zum Leben erweckt. Das macht dich offen.
Du wirst fokussiert. Du musst nicht mit Zerstreutheit kämpfen. Du wirst präsent sein.
Die Betroffenheit verändert dich. Du wirst in Frage gestellt. Du wirst verletzbar. Du wirst verändert. Die Veränderung aber wirst du erst später wahrnehmen.”
aus: P. Mustó Péter SJ: Wo du zu Hause bist

Sr. Rita Kedves sa

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… und mich schauerte

Sr. Miriam Hörlesberger arbeitet als Seelsorgerin in einer Seniorenresidenz in Wien. Sie erzählt vom Schock des Lockdowns und ihrer Hoffnung durch Gittertore hindurch.

Ein einschneidendes Erlebnis war die coronabedingte Schließung der Seniorenresidenz, in der ich als Seelsorgerin tätig bin. Das mit einem großen Gittertor verschlossene Gebäude und das Bewusstsein, dass da jetzt niemand (außer dem unbedingt notwendigen Pflegepersonal) hinein und heraus darf, erweckte in mir das Gefühl: das ist jetzt ein Gefängnis – und mich schauderte. Mich beschäftigte von nun an: Wie kann ich jetzt für die alten und z.T. sehr pflegebedürftigen Menschen Seelsorgerin sein? Was brauchen sie von mir?

Bei Telefonaten mit einigen war ich überrascht, wie gut sie sich durch die strengen Maßnahmen im Heim geschützt fühlen und Gottesdienst und Rosenkranzgebet über Radio und TV selbstverständlich und gern mitfeiern. Schriftlich lieferte ich über Mails Infos über Mitfeier-Möglichkeiten, gute Gebete und hilfreiche Impulse zum Aushang oder für das Morgenblatt, das alle Bewohner*innen täglich bekommen. Auch für das Personal gab es schriftliche Hilfen von mir für die schwierige Zeit. Wie viel davon wirklich die Betroffenen erreicht hat und ob es ihnen hilfreich war, weiß ich nicht.

Unser Charisma hat in der Coronazeit eine tiefere und stärkere Bedeutung für mich bekommen, besonders die Gemeinschaft über alle Grenzen des irdischen Lebens hinaus. Ich habe Ängste, die Begrenztheit des Lebens und das Aufeinander-angewiesen-sein stärker gespürt als vorher.

Hoffnung in der Zeit der Lockerung der Maßnahmen und darauf, dass es zu keiner zweiten Welle der Ansteckungen kommt, sowie das Erleben, dass die Vernunft siegt, ist jetzt ein sehr wichtiger realer Aspekt für mich. Besonders die wirtschaftlichen Probleme, die vielen Familien jetzt existenziell zu schaffen machen, fordern zu Verzicht und Solidarität heraus und ich hoffe, es gelingt mir und uns, diesen Menschen auch wirklich wieder Hoffnung zu schenken.

Sr. Miriam Hörlesberger sa

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Liturgie neu entdeckt

Sr. Bernadette Krogger lebt in Budapest in Gemeinschaft mit Schwestern aus Siebenbürgen, Ungarn und Österreich. Corona hat sie neu um Gottes Tisch versammelt.

Eine der prägendsten Corona-Erfahrungen war für mich das Feiern der Osterliturgie im kleinen Rahmen unserer Gemeinschaft. Anstatt uns einer konkreten Pfarrgemeinschaft anzuschließen, waren wir dieses Jahr herausgefordert, unsere „eigene” Liturgie zu entwerfen und zu feiern. Gemeinsam wurde stundenlang besprochen und geplant, sodass sich jede von uns einbringen konnte. Als Vorlage diente uns dabei natürlich die vorgegebene Liturgie der Kirche, aber da wir als Frauengemeinschaft keine Priester unter uns haben, verlagerte sich der Fokus auf den Wortgottesdienst.

Noch nie zuvor konnte ich Christi leibhaftige Gegenwart in der Gemeinschaft der Feiernden, im Hören und Verkünden Seines Wortes und im liturgischen Handeln als Ganzes so spürbar wahrnehmen wie in unseren gemeinsamen Wort-Gottes-Feiern zu Ostern. Was ich zuvor zwar vom „Hören-Sagen” kannte und bruchstückhaft bereits erfahren hatte, wurde für mich dank Corona greifbare Realität: Gott ist im ganzen Gottesdienst ganz da, nicht „nur” verdichtet in der Eucharistiefeier.

Sr. Bernadette Krogger sa

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Happy Birthday to you

Sr. Regina Mair sa ist Krankenhausseelsorgerin in Wien, während Corona im HomeOffice wider Willen. Beauftragt, Impulse für das Krankenhauspersonal ins Intranet zu stellen, konnte sie keine Texte finden, die für die aktuelle Situation den richtigen Ton trafen. Also hat sie selbst den Stift in die Hand genommen:

„Happy Birthday to You“

Das soll man dreimal singen laut Anweisung bei den Desinfektionsspendern im Krankenhaus. Ehrlich gesagt habe ich das schon bei der Einführung belächelt, „brav“ ausprobiert und rasch wieder fallen lassen. Besonders in diesen Tagen brauche ich kein fröhliches Liedchen.
Da kreisen andere Gedanken im Kopf: wird es ausreichend wirken gegen die Viren-Viecher, die überall sein könnten? Wird es gelingen, mich und andere zu schützen? Habe ich vielleicht den Keim schon in mir und bin für andere potenziell gefährlich? Auch für die Menschen, mit denen ich lebe, die ich liebe?

„Uiii!“ – da wird mir schon ganz anders zumute und ich bekomme Gänsehaut und feuchte Hände, bevor ich noch anfange. Das liegt mir ehrlich schon im Magen, was soll ich denn tun? Natürlich noch sorgfältiger sein, mein Möglichstes tun, aber nie 100% sicher sein können. Wie kann ich damit leben? Ich will niemandem schaden! Meine Gegenwart soll guttun, soll helfen.
Waschen, sich reinigen ist in vielen Religionen als Ritual bekannt. Das könnte eine Idee sein.
„Es möge nichts Schädliches von mir ausgehen …“ – vielleicht finde ich da eine Formulierung, einen Wunsch, ein Gebet, das meine Händedesinfektion begleiten kann.

In angespannten Zeiten, wo jeder früher oder später die Grenzen der eigenen Belastbarkeit spürt, könnte das ein wirkungsvoller Wunsch sein: Meine Anspannung möge nicht den Ton meiner Stimme schärfen mit Nörgelei, Vorwürfen, Anschnauzen … mein Tun möge nicht hektisch schnell ein wortloser Vorwurf an die Langsamkeit anderer sein… und vieles mehr. Und das immer wieder, sooft wie das äußere Desinfizieren.

Und wohin mit der ganzen Spannungsenergie? Mir hilft, manchmal fest auftreten, den Boden, die Treppen treten – die halten das aus. Wie ein trotziges Kind …. Die Worterklärung von „trotzen“ ist: „Widerstand leisten einer Person oder Sache, die eine Bedrohung darstellt, in festem Vertrauen auf seine Kraft.“ Diese Kraft ist nicht nur individuell denke ich, sondern gemeinschaftlich und noch tiefer.

So wünsche ich Euch/Ihnen alles Gute (wenn auch nicht zum Geburtstag). Behüte Euch Gott! und natürlich mit dem neuen obligatorischen Gruß: „Bleibt gesund!“

Sr. Regina Mair sa und das Seelsorgeteam

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Von Stoff zu Schutz

Schwester Agì Czako lebt in Csobánka, in der Nähe von Budapest. Als die Pandemie näher rückte, nahm sie die Unruhe wahr, die Atemlosigkeit. Sie nahm ihre Kreativität und Nadel und Faden in die Hand – die Vorsehung besorgte das Material.

Die Nachrichten aus China waren sehr erschütternd für mich, aber auch für die anderen in meiner Umgebung. Wir haben ernst darüber diskutiert und viel für die Betroffenen gebetet. Aber ich musste darauf kommen, dass mich das erst tief berührte, als die Infektionsrate in Italien plötzlich so schnell und stark anstieg. Dann habe ich den Unterschied gespürt, wenn man etwas über ein weit entferntes Land hört, und wenn das Übel schon an der Türschwelle steht. Im Verlauf von einigen Wochen veränderte sich die Lage nach meinem Empfinden irrsinnig schnell. Im Internet wurden immer mehr Meldungen über Quarantäne, Einkaufspanik, Todesfälle ausgetauscht. Auch in meinem Umfeld wurde immer mehr Unruhe spürbar.

Ältere Verwandte von mir haben über ihre Angst gesprochen. Sie suchten irgendeine Schutzmöglichkeit, entweder weil sie sich wirklich schützen wollten, oder auch weil der Gedanke unerträglich war, nur ohnmächtig zu warten, ob sie auch angesteckt werden. Ich habe oft die Klage gehört: „Ich wollte Schutzmasken kaufen, aber ich finde nirgendwo welche, man kann sie gar nicht kaufen. Was man kaufen kann, ist aus Papier und für nichts gut. Ich traue mich nicht mehr auf die Straße.“ Wie schnell wir unsere Sicherheit doch verlieren.

Ich fuhr von Budapest nach Csobánka nach Hause, und ich habe sie noch in meinem Herz getragen, die Angst alter Menschen mit Vorerkrankungen, die ein großes Risiko bergen. Dann kam mir noch Ende Februar die Idee zu überlegen, wie man eine Schutzmaske nähen kann.

Ich hatte ganz viel Baumwollstoff, der darauf wartete, dass ich ihm bei einem superguten kreativen künstlerisch-spirituellen Einkehrwochenende mit möglichst vielen Teilnehmern eine andere Qualität geben kann. Leider wurden gerade vor diesem Programm strenge Beschränkungen eingeführt. Wir konnten das Programm nicht durchführen. Ich fand es sehr schade.

Es kamen die ruhigen Tage der Fastenzeit zu Hause, ohne Gäste, ohne geistliche Programme, aber mit viel schönem Stoff, und ich habe angefangen, Schutzmasken zu nähen. Am Anfang habe ich gedacht, ja vielleicht nähe ich für einige ältere Verwandte von mir und für unsere Mitschwestern hier in der Gemeinschaft. Aber dann wurde das Interesse in meinem Bekanntenkreis hier in dem Dorf größer, danach habe ich es meinen anderen Mitschwestern in unserer Provinz angeboten. Zum Schluss habe ich 114 Schutzmasken genäht, mehrschichtig, mit innerem Filterstoff, usw. Aber der größte Schutz ist die Liebe und Freude, mit der sie hergestellt wurden, und das hat sicher auch bei jedem gewirkt.

Sr. Czakó Ágnes sa

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Berührung mit der Einsamkeit

Sr. Elke Freitag sa arbeitet als Seelsorgerin in einem Münchner Altenheim. Sie erzählt von Einsamkeit, Angst und einem neuen Aufatmen.

In den härtesten zwei Monaten Corona war ich im Altenheim. Normalerweise berühre ich oft die alten Menschen oder umarme Kolleginnen. In dieser Zeit gab es Nähe nur mit Maske und 1,5 Meter Abstand. Nur fast Sterbende habe ich weiter berührt – mein Risiko. In dieser Zeit brachte ich oft die Taschen und Gaben der Angehörigen zu den Bewohnern ins Zimmer. Ich wurde begrüßt mit Lächeln, Tränen oder ganz wüsten Beschimpfungen. Einsam sein drückt jeder verschieden aus.

Wir alle im Heim waren sehr angespannt: Bleiben wir heute von Corona verschont? Wie lange müssen unsere Bewohner noch ohne Besuche verlassen sein und vereinsamen immer mehr? Ich war sehr dankbar, raus zu kommen aus der Wohnung, eine systemrelevante Arbeit zu haben und nicht zwei Monate eingesperrt zu sein. Ich war ein Teil davon. Aber es gab auch Nächte, in denen mich eine tiefe Angst wach hielt: Möglicherweise bringe ich mit meiner Arbeit meine hochaltrige Mitschwester daheim um! Gott sei Dank geschah dies nicht und das Heim blieb von Corona verschont.

Als ich das Heim nach dieser Zeit für eine längere Auszeit verließ, durften am Wochenende das erste Mal wieder Angehörige ihre Eltern, Großeltern und Ehepartner besuchen und die Freude war auf allen Seiten riesig groß.
Mir selber hat die Zeit alles abverlangt und ich war wirklich bei den Einsamsten der Einsamen in dieser Zeit, ganz nach Maria von der Vorsehung.

Sr. Elke Freitag sa

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Unverfügbar

Etwas eindrückliches für mich in den letzten Wochen: der Faktor Zeit. Als hätte jemand den Kalender zugeklappt: so Elisabeth, jetzt vergiss mal die ganzen Kästchen. Für heute die Möglichkeiten und Fragen von heute. Morgen ist ein anderer Tag.

Seit Mitte März fließt die Zeit. Planen zwecklos. Mit Radiergummi bewaffnet, warte ich auf Entscheidungen. Vertröste und werde vertröstet. Vereinbare Treffen mit Ortsangabe: Pfarrei oder Zoom? Und sehne mich danach, die Normalität beschließen zu dürfen.

”Das lernen wir doch gerade alle, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind.” sagte eine Mutter, deren Tochter an der Feier des Erwachsenwerdens (eine Form der Jugendweihe in Leipzig) teilnimmt, zu mir am Telefon, “ – es wird ein schönes Fest werden.”

Ihre Gelassenheit – ihr Loslassen – tröstet mich. In leere Kalenderkästchen ist Leben eingeschrieben. Im Ungeplanten, nicht Vorhergesehenem, Unverfügbaren feiern wir die Feste ohne Haken dran. In Gottes Blick bin ich im Fluss der Zeit gehalten.

Sr. Elisabeth Muche sa

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