Rückblick: Katholikentag 2022 – Hoffnung teilen.

Katholikentag 2022 in Stuttgart: ein Halleluja, nicht zu laut.

„Welche Farbe hat deine Hoffnung?“ – diese Frage wird wohl noch einige Stuttgarterinnen und Stuttgarter, Katholkentagsbesucherinnen und Katholikentagsbesucher in den Tagen rund um den Katholikentag 2022 begleitet haben.

Mit einem weit sichtbarem Farbkreis luden wir, die in Deutschland lebenden Helferinnen, Passanten ein, ihre Hoffnungsfarbe zu entdecken. Dabei ging es nicht um eine abstrakte Hoffnung, nicht um eschatologische Lehrbuchweisheit oder politische Theorie, sondern um die ganz konkrete Hoffnung in dem ganz konkreten Moment: Was ist DEINE Hoffnung HEUTE?
So drückten einige mit Farben, mit schriftlichen Kommentaren und in kurzen und längeren Gesprächen ihre Freude aus: Über das Miteinander auf dem Katholikentag, die Vielfalt kirchlichen Lebens und die Hoffnung, dass da doch noch was geht. Ein Aufatmen inmitten bedrückender Nachrichten aus Kirche und Welt. Und für einige bleibt „Hoffnung“ schwer verdaulich: „Meine Hoffnung ist schwarz“, war eine Antwort, andere schüttelten den Kopf: „Hoffnung, gerade nicht so…“ und eine Frau blieb einfach nur stehen, schaute auf die bunte Wand und kämpfte mit den Tränen – 4-5 Minuten, bis sie wortlos weiterging. Ein leiser Moment im Katholikentagstrubel. Ein Moment, der vielleicht mehr über unser Charisma sagt, als viele Worte.

Und so schwankte auch der Katholikentag selbst zwischen einem nachpandemischen Aufatmen auf der einen Seite, einer Wiedersehensfreude und dem inneren Grinsen, wenn man von dem Stand der Legion Mariens zu #OutinChurch stolperte und zwischendurch von den Jesuiten zum Tagesrückblick in einer improvisierten Kapelle mitten auf der Kirchenmeile eingeladen wurde. Und dem Bedrückenden auf der anderen Seite – das sich nicht Wegdrücken und von keinem Halleluja übertönen ließ (der Versuch wurde zum Glück auch nicht unternommen).
Neben Podien zu Ökologischer Krise und Globaler Gerechtigkeit (gemäß dem Motto des Katholikentags #LebenTeilen) stand Russlands Krieg in der Ukraine im Fokus – in den Diskussionsforen, aber auch an unserem Stand: Mit der Hoffnung auf Frieden wurden ganz verschiedene Farben an unserer Wand verbunden. Fast noch stärker durchdrungen war der diesjährige Katholikentag wohl jedoch von der Frage nach der Relevanz von Kirche. Angesichts der benannten Brennpunkte unserer Welt, angesichts der Glaubwürdigkeitskrise der katholischen Kirche, angesichts des Reformstaus und der immer wieder benannten Diskriminierungserfahrungen, angesichts – auch ganz konkret – der eher enttäuschenden Resonanz auf den Katholikentag. Politiker seien als Seelsorger aufgetreten, hieß es in einer Nachberichterstattung: Wir brauchen euch noch. Es wird wohl in kommenden Katholiken- und Kirchentagen zu besprechen bleiben: Welche Zukunft hat ein Treffen von Katholik:innen mit Katholik:innen. Welche Türen können sich gerade da oder in anderen Formaten in die Zivilgesellschaft öffnen – um jenseits kirchlicher Selbstreferenzialität mitzuhelfen, wo’s Not tut, bei allem Guten, was es auch sei.

Erholen von all diesen Eindrücken, von vielen guten, intensiven Gesprächen am Stand der Helferinnen, von Begegnungen mit Fremden und alten Bekannten, von diesen ganz verschiedenen Stimmungen, Fragen und Geschichten, die uns entgegengekommen sind – und natürlich von müde gestandenen und gelaufenen Füßen – also: Erholen konnten wir uns bei unseren wunderbaren herzlichen Gastfamilien am grünen Stadtrand Stuttgarts. So erlebten wir in ausgedehnten gemeinsamen Frühstücken und tlw. auch ausgedehnten Abendgesprächen Kirche vor Ort und gelebte Gastfreundschaft.

Elisabeth Muche sa

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