Kennenlernen und Kandidatur

Kennenlernen
Sie möchten Ihren Glauben in Gemeinschaft leben und fragen sich, ob Ihr Lebensweg Sie in eine apostolische Ordensgemeinschaft führen könnte? Und Sie möchten klären, ob Sie sich ein Leben in unserer Gemeinschaft vorstellen können?

Dann laden wir Sie ein, unsere Gemeinschaft kennenlernen, um mehr über unsere Spiritualität und unseren Alltag zu erfahren. Sie können an Tagen für Interessentinnen teilnehmen, oder uns nach Absprache an den verschiedenen Orten, an denen wir leben, für ein Gespräch oder einige Tage besuchen. Mit Sr. Maria Schütz sa (maria.schuetz@helferinnen.info) können Sie klären, wie Ihr persönlicher Weg des Erstkontaktes und des weiteren Kennenlernens aussehen kann.

Auch Geistliche Angebote können bei der Berufungsklärung hilfreich sein. Regelmäßige Gespräche im Rahmen der Geistlichen Begleitung können helfen, die verschiedenen Gedanken und Gefühle, die Sie hinsichtlich Ihres persönlichen Suchweges bewegen, zu ordnen. Exerzitien können helfen, der eigenen Berufung nachzuspüren und in Freiheit eine Entscheidung zu treffen.

„Von Gott her sind alle berufen, aber Berufung kommt nur durch die – nicht
selbstverständliche! – Antwort des Menschen an ihr Ziel. Gott drängt sich dem Menschen
nicht auf und spricht gewöhnlich leise. Er hat größtes Interesse an einer Antwort, aber auch
größten Respekt vor der Freiheit des Menschen.“ Sr. Christa Baich

Kandidatur
Wenn sich durch verschiedene Begegnungen mit Schwestern und durch die persönliche Auseinandersetzung die Sehnsucht nach einem Leben in der Nachfolge Jesu in unserer Gemeinschaft vertieft, so kann sich als nächster Schritt die Kandidatur anschließen. Dies ist eine Zeit des gegenseitigen Kennenlernens, die der Kandidatin hilft, herauszufinden, ob ein Leben in unserer Gemeinschaft ihren Sehnsüchten und Fähigkeiten entspricht.

Die Dauer der Kandidatur ist individuell unterschiedlich und dauert zwischen 6 Monaten und 2 Jahren. Nach Möglichkeit lebt die Kandidatin eine Zeit lang in einer Gemeinschaft mit. Eine beauftragte Schwester begleitet die Kandidatin in regelmäßigen Gesprächen. Gleichzeitig ist sie in externer Geistlicher Begleitung. Sie nimmt an Exerzitien teil. Und es bestehen weitere Programme und Gelegenheiten des besseren Kennenlernens. Die Kandidatin pflegt ein persönliches geistliches Leben.

Da das Noviziat französisch- oder englischsprachig ist, erfolgt – sofern erforderlich – während der Kandidatur auch das Lernen einer der beiden Sprachen. Dies kann in der eigenen Heimat geschehen oder in einer Sprachschule oder einer Helferinnengemeinschaft im Ausland.

Wenn in der Phase der Kandidatur die Freude und Zuversicht zu dieser Lebensform wächst, wenn Offenheit und Lust zum Weitergehen vorhanden sind, so kann die Kandidatin um Aufnahme in das Noviziat ansuchen.

Kontaktperson bei Fragen zum Kennenlernen und zur Kandidatur:
Sr. Maria Schütz sa
maria.schuetz@helferinnen.info

Informationen zu weiteren Ausbildungsschritten finden Sie hier.

Das Christentum als Berufungsreligion

Nicht alles, was jemand gern tut oder gut kann, ist schon eine „Berufung“ im christlichen
Sinn. Von einer Berufung können wir sprechen, wenn Gott einen Menschen in irgendeiner Weise „anspricht“ – was nicht unbedingt durch ein außergewöhnliches Erlebnis sein muss – und wenn dieser Mensch sich mit seinem Leben auf Gott einlässt und sich von ihm für die Menschen in Dienst nehmen lässt. Dieses Geschehen zwischen Gott und einem Menschen – Ruf und Antwort – konkretisiert sich dann in einer bestimmte Berufungsgestalt, Lebensform oder Aufgabe. Das kann zum Beispiel in einem Leben nach den Evangelischen Räten (Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam), in einem klassischen „geistlichen“ oder kirchlichen Beruf der Fall sein. Doch es wird uns in der Kirche immer mehr bewusst, dass das Christsein selbst in allen seinen Ausprägungen eine wirkliche Berufung ist: Ein Leben in der Nachfolge Jesu, zu dem wir durch die Taufe ja berufen sind, stellt in unserer Zeit oft genug ein Leben gegen den Strom dar und hat durchaus ein sehr konkretes, keineswegs selbstverständliches Profil! Das gilt zum Beispiel auch für die christliche Ehe. Je mehr die Volkskirche zurückgeht, desto mehr wird deutlich, dass das Christsein nicht das Selbstverständliche („Ich bin in Österreich geboren, also bin ich Christin oder Christ), sondern das bewusst Angeeignete und Gewählte ist.
Deshalb muss es ein Anliegen von uns allen sein, das Christentum als Berufungsreligion ins Bewusstsein zu bringen: Die ganze Pastoral muss auch Berufungspastoral, Christwerdungspastoral sein oder werden! Im Vergleich mit der Schule gesprochen: Berufungspastoral soll nicht ein Unterrichtsfach neben anderen, sondern so etwas wie ein Unterrichtsprinzip der Seelsorge sein. Menschen, vor allem junge Menschen sollen in der Kirche Hilfen bekommen, Gottes Stimme hören und von anderen Stimmen unterscheiden zu lernen. Sie sollen glaubwürdige Menschen erleben, an denen sie sehen können: Gott ist es wert, sich wirklich mit ganzem Herzen und ganzem Leben einzusetzen. Wenn ich mir vorstelle, alle
Christinnen und Christen würden sich in ihren großen und kleinen Lebensentscheidungen vor
Gott stellen und fragen, was er für sie und mit ihnen will – ich hätte keine Sorge um die Kirche.

Sr. Dr. Christa Baich, Sonntagsblatt, 2009